Wie alles begann
Firmengründerin Barbara Glasmacher erzählt ihre persönliche Reise, von einer engagierten Mutter auf der Suche nach der besten Bildung für ihre Töchter zur Pionierin der deutsch-britischen Schulberatung. Ihre Vision und ihr Engagement haben den Weg für Hunderte von Familien geebnet und die Glasmacher Schulberatung zu dem gemacht, was sie heute ist.
Der Ausgangspunkt: Auf der Suche nach qualitativer Bildung für die eigenen Kinder
Nach einigen Jahren in den USA kehrte ich mit meiner Familie nach Deutschland zurück und musste feststellen, dass sich im deutschen Schulsystem einiges verändert hatte. Ich war überrascht zu erfahren, dass ein Abitur ohne verpflichtende Mathematik- oder Deutschprüfungen möglich war.
Ich hatte an einem humanistischen Gymnasium in Düsseldorf eine fundierte Allgemeinbildung mit Mathematik, Deutsch und Latein als Abitur-Pflichtfächern erhalten und mein Leben lang davon profitiert. Da ich meinen vier Töchtern eine umfassende Bildung ermöglichen wollte, meldete ich sie an der Munich International School an, in der Hoffnung, ihnen wenigstens eine erstklassige Ausbildung in der Weltsprache Englisch zu bieten.
Der Entschluss für das englische Schulsystem
Mir wurde allerdings schnell bewusst, dass das akademische Niveau eher dem amerikanischen System entsprach, was in meinen Augen nicht optimal war. So fasste ich den Entschluss, meine Töchter nach dem mittleren Abschluss auf eine englische Schule zu schicken. Die Suche nach der richtigen Schule begann.
Man darf nicht vergessen: Es gab damals noch kein Internet! Ich durchforstete Schulführer in der Schulbibliothek und interviewte englische Eltern, die selbst "Public Schools" besucht hatten. Die traditionellen Eliteschulen wie Eton und Harrow kamen nicht in Frage, sie waren reine Jungen- oder Mädchenschulen. Ich suchte nach gemischten (co-ed) Schulen mit anspruchsvollem akademischem Programm, idealerweise mit Latein im Angebot.
Die Entdeckung von Sevenoaks
In den Osterferien fuhr ich mit meiner ältesten Tochter Nikola (damals 14 Jahre alt) durch Südengland und besuchte schlossähnliche Schulen wie Stowe School. In Sevenoaks fiel mir eine Gruppe Kinder in Schuluniform auf. Neugierig konsultierte ich den Schulführer und konnte kaum glauben, was ich las: Diese Schule aus dem 15. Jahrhundert bot neben den A-Levels auch das International Baccalaureate (IB) an! Gerade hatte ich als Board-Mitglied der Munich International School das IB geprüft. Damals gab es das IB in Großbritannien nur in St. Clare's in Oxford.
Ich klingelte spontan an der Schulpforte. Auch ohne Termin wurde ich zum Registrar Mr. Brian Scragg vorgelassen. Während mir die Schule gezeigt wurde, absolvierte Nikola einen Test mit großem Erfolg. Mr. Scragg bot ihr spontan einen Platz als erstes deutsches Mädchen an der Schule an.
Das war 1982, und bis heute zählt Sevenoaks zu den Top-Schulen auf den Wunschlisten unserer Klienten.
Von der persönlichen Erfahrung zum Beruf
Nach meiner Rückkehr hielt ich einen Vortrag an der Munich International School. Viele Eltern baten mich um Rat, vor allem als Nikola sehr positive Berichte aus Sevenoaks schickte.
Damals arbeitete ich als Showroom-Managerin für eine Modefirma. Als die Anfragen zunahmen, bot mir eine Freundin ein Zimmer in ihrem Schwabinger Büro an. Ich gründete die "Barbara Glasmacher Internationale Schulberatung" mit Beratungsterminen von 17:00 bis 19:00 Uhr. Im ersten Jahr vermittelte ich 17 Schüler, die meisten nach Sevenoaks. Den Eltern stellte ich eine Beratungsgebühr in Rechnung.
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Eine etablierte Internatsberatung wurde aufmerksam und bot mir eine Stelle als freie Mitarbeiterin an. Das Geschäftsmodell wurde umgestellt: Die britischen Schulen sollten für die Vermittlung zahlen, 10% pro Schüler. Diese Idee den englischen Schulen zu vermitteln, war eine Herausforderung!
Da Sevenoaks nicht mehr so viele deutschsprachige Schüler aufnehmen konnte, brauchte ich weitere Partnerschulen. John Guyatt, Lehrer meiner Töchter und späterer Registrar, stellte mich bei Kollegen vor. Die Palette wuchs stetig, weitere IB-Schulen wie Malvern und Rossall kamen hinzu. Ich konnte einige Schulen überzeugen, das IB-Programm einzuführen (darunter Haileybury, Felsted, Oakham, Gresham's und St. Leonards).
Anfang der 1990er Jahre vermittelte ich bereits 300 bis 400 Schüler nach England. Als neue Geschäftsbedingungen eingeführt werden sollten, die für britische Schulen unüblich waren, rieten mir befreundete Headmaster zur Selbstständigkeit. Der Headmaster der Blundell's School warnte 1996, dass Vorauszahlungen für versprochene Schüler in Großbritannien niemals akzeptiert würden.
Er riet mir dringend zur Selbstständigkeit. Meine Tochter Nicola und ihr Mann Hermann, beide im Bankenwesen tätig, bestärkten mich in dieser Entscheidung und halfen mir bei der Planung. Meine Tochter bei J.P. Morgan und mein Schwiegersohn bei Morgan Stanley erstellten einen Business-Plan und besorgten mir einen Kredit bei der HypoBank.
Ein Neuanfang mit Visionen
Am 1. Januar 1997 bezog ich als Unternehmerin ein Zimmer im Büro meines Ex-Mannes und stellte Elke Böck ein, eine ehemalige Klientin. Bald kam die Psychologie-Studentin Robin dazu, während Nicola sich vom Home-Office aus um Finanzen kümmerte. Das erste Jahr schlossen wir mit 120 Vermittlungen ab.
Wachstum und Konsolidierung
Das Time-Management war herausfordernd: Reisen zu Schulbesuchen in Großbritannien, Beratungswochenenden in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, alles musste geplant und durchgezogen werden. Doch der wachsende Erfolg sprach für sich. Wir bezogen ein eigenes Büro in der Agnesstraße in Schwabing und stellten weitere Mitarbeiterinnen ein, darunter Ursula Hilger, Annette Wagner und Monika Domokos, die alle schon ihr über 20-jähriges Jubiläum mit uns feierten.
Die nächste Generation
Vor etwa 20 Jahren fragte meine jüngste Tochter Theresa, ob sie offiziell einsteigen könnte. Nach einigen Jahren bei einer Umweltberatungsfirma in Berlin wollte sie zurück nach Bayern. Sie war mehr als willkommen!
Theresa organisierte den Umzug in ein größeres Büro in die Herzogstraße und übernahm alle administrativen Aufgaben. Bei den Beratungen assistierte sie in München, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt.
Anfangs meinte sie: "Das schaffe ich nie, so wie du das hinkriegst!" Aber sie hat es geschafft, und 20 Jahre später bin ich es, die sagt: "Wie du das alles mit der Digitalisierung hinkriegst, das könnte ich nie!"
Das Geheimnis unseres Erfolgs
Eltern fragten mich oft: "Sie sind doch sicher Psychologin!" Nein, ich habe eine Studienmischung absolviert, die heute als PPE (Philosophy, Politics and Economics) bekannt ist. Aber ich war mit einem auf Berufseignungstests spezialisierten Psychologen befreundet, den ich in schwierigen Fällen um Rat fragen konnte.
Eltern erlebten auch, dass einige Schulen auf schwierige Tests verzichteten, weil wir sie so ausführlich informiert hatten. Diese Qualität sprach sich herum.
Die Stabübergabe
An meinem 80. Geburtstag, der 2021 auch mit dem 25-jährigen Jubiläum der eigenständigen Firma zusammenfiel, verabschiedete ich mich von der täglichen Präsenz in der Herzogstraße und von meinen Mitarbeitern. Die Firma war in den besten Händen meiner Tochter Theresa.
Ich freue mich, wenn mich Leute weiterhin um Rat fragen. Bei Anfragen in der Firma nach "Frau Glasmacher" wurde anfangs noch gefragt: "Senior oder Junior?" Inzwischen ist es durchweg Junior, manchmal mit den besten Grüßen an die Frau Mama. Aber damit kann ich gut leben und mich an meinen zwölf Enkeln (natürlich alle mit britischer Schulkarriere) und meinem geruhsamen Leben auf dem Land erfreuen.